| Schmerzen |
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Verschiedene Schmerztypen bei der MS
Schmerzen gehören nicht zum Erscheinungsbild der Multiplen Sklerose"
– diese Meinung ist weit verbreitet, aber leider falsch. Viele
MS-Kranke leiden unter Schmerzen. Und dabei ist die Vielfalt der
Schmerzen nahezu genauso groß wie die Vielfalt der Symptome. Wie
viele Patienten genau davon betroffen sind, lässt sich nicht sagen,
da das Schmerzempfinden und -toleranz von Mensch zu Mensch
verschieden ist. Manche Studien sprechen von 32 Prozent, andere
wiederum von 55 Prozent.
Es können ganz allgemein drei Schmerztypen definiert werden:
Schmerzen, die plötzlich auftreten und nur kurz anhaltend wieder
verschwinden, so genannte paroxysmale Schmerzen. Über etwas längere
Zeiträume bestehend, relativ plötzlich beginnend, so werden die akut
bis subakuten Schmerzphänomene bezeichnet. Und zuletzt die
chronischen Schmerzen, die über sehr lange Zeit anhalten. Auch bei
der Multiplen Sklerose treten Schmerzereignisse aller drei
Kategorien auf.
Paroxysmale Schmerzen
Plötzliche Schmerzattacken, die schnell wieder abklingen, erlebt nur
jeder zehnte MS-Kranke.
Im Verlauf der Krankheit tritt bei einigen Patienten eine
Trigeminusneuralgie auf. Kurze, messerscharf einstechende
Schmerzen in einer Gesichtshälfte, die sich ständig wiederholen,
prägen das Bild. Diese können von so vernichtendem Charakter sein,
dass sie kaum auszuhalten sind. Meist sind Kinn- oder Wangenpartie
einer Gesichtshälfte betroffen. Selten kommt es aber auch zu
regelrechten Schmerzsalven, die dann eher als Dauerschmerz empfunden
werden. Der Trigeminus ist einer der 12 Hirnerven, dessen
Ursprungskerngebiet im Hirnstamm liegt. Diese Region ist sehr häufig
betroffen, so dass durch Herde in diesem Bereich solche Schmerzen
verursacht werden.
Häufig kann das so genannte Lhermitte-Zeichen
ausgelöst werden. Zur Provokation wird der Kopf nach vorne gebeugt.
Dadurch entsteht ein elektrisierendes Kribbeln, das von der
Wirbelsäule ausgehend über die Schultern in die Arme schießt. Es ist
eher unangenehm als schmerzhaft. Es wird selten auch bei anderen
Erkrankungen gefunden.
Kurze Krämpfe der Muskulatur werden häufig beobachtet. Eine
ausgeprägte Form sind die tonischen Hirnstammanfälle.
Wie oben beschrieben ist dies ein von Entzündungen bei der MS sehr
oft betroffenes Hirnareal. Hier laufen Bahnen entlang, die
willkürliche Muskelbewegungen steuern. Durch die Störung kann es zu
Fehlleitungen kommen, die zu ungewollten und überschießenden
Bewegungen führen. Solche schmerzhaften Krämpfe beginnen meist in
einer Hand, breiten sich über Arm, Schulter und auch mal das Bein
einer Körperseite aus.
Auch Missempfindungen an Händen und Füßen können
mal kurzzeitig auftreten.
Akute und subakute Schmerzen
Im Rahmen der häufig auftretenden Sehnervenentzündungen bestehen auf
der entsprechenden Seite häufig Schmerzen hinter dem Augapfel,
insbesondere wenn das Auge bewegt oder Druck ausgeübt wird. Dabei
klingt der Schmerz meist schneller ab als die Entzündung selbst.
Den oft bestehenden Blasenstörungen pfropft sich immer mal eine
Blasenentzündung auf, die mit typischen krampfartigen Schmerzen im
Unterleibsbereich verbunden ist. Solche treten aber auch manchmal
durch Spasmen der Muskulatur ohne gleichzeitig bestehende Infektion
auf.
Chronische Schmerzen
Recht übereinstimmend berichten die Betroffenen, dass es sich meist
um chronische Schmerzen handelt, unter denen sie leiden.
Recht oft werden die Patienten ferner durch brennende oder ziehende
Missempfindungen in Füßen oder Beinen belastet. Sie werden
insbesondere in der Nacht, sowie bei warmen Temperaturen und
Wetterumschwüngen verstärkt wahrgenommen. Die Bettdecke wird als
unangenehm empfunden. Umlagerung der Gliedmaße macht die Schmerzen
erträglicher. Sie lassen sich durch entzündliche Veränderungen des
Rückenmarks erklären. Es muss aber immer bedacht werden, dass gerade
solche Parästhesien, wie die Missempfindungen in
der Fachsprache genannt werden, sehr häufig durch periphere
Nervenschädigungen verursacht sind. Die können natürlich bei einem
MS-Patienten zusätzlich bestehen.
Häufig berichten MS-Patienten auch über chronische
Rückenschmerzen oder chronische Muskelschmerzen
insbesondere in den Beinen. Sie sind meist Folge der unnormal,
übermäßig starken Anspannung der Muskulatur, der so genannten
Spastik und daraus folgenden Fehlbelastungen.
Bilder + Texte stammen von ms-live.de

